Predigten

5. November 2017 (Reformationssonntag)

Predigt über 1. Korinther 3,5-11 gehalten am 5. November 2017 (Reformationssonntag) in der ref. Kirche Lausen von Pfarrer Stefan Keilwerth

5 Was ist nun Apollos? Was ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat:
6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben.
7 So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
8 Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit.
9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
10 Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
11 Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
1. Korinther 3,5-11


Liebe Gemeinde
Was ist hier die Situation? Paulus schreibt der Gemeinde in Korinth einen Brief, weil er von Spannungen in der Gemeinde gehört hat. Scheinbar haben sich Lager gebildet, angeführt von besonderen Persönlichkeiten. Und jedes Lager behauptet für sich, die richtige Art von Gemeinde zu bauen. Und Paulus schreitet hier ein und sagt ganz klar, dass alles auf das Fundament ankommt, das bereits besteht. Es ist Jesus Christus. Nur darauf können die verschiedenen Baumeister bauen.
Darum, so Paulus, muss jeder geistliche Dienst auf Jesus Christus aufbauen und von ihm her Richtung erhalten.
Paulus war vermutlich der erste Bote des Evangeliums in Korinth. Er hat den Grund gelegt, indem er Jesus Christus als Fundament des Glaubens bezeugt hat. Viele haben ihr Leben und ihren Glauben darauf aufgebaut. Aber dann kamen noch andere dazu, die eine etwas andere Botschaft gebracht haben. Daraufhin sind verschiedene Gruppierungen entstanden, die sich dann mehr an Apollos, Petrus oder auch an Paulus gehalten haben.
Die Gefahr für die Gemeinde in Korinth war, dass die Besonderheiten der einzelnen Leiter wichtiger wurde als der Eckstein Jesus Christus. Und Paulus warnt die Mitarbeiter und die Gemeinde vor einer falschen Bauweise.
Was ist passiert? Einige Menschen haben nicht mehr dem Urfundament vertraut, sondern mehr und mehr einem Überbau... Apollos, Petrus oder auch Paulus.
Menschen können begeistern. Das geschieht durch vielerlei Art, durch einleuchtende Worte, gute Argumente oder vorweisbaren Erfolg. Davon sind auch Mitarbeiter, die an Christus glauben, nicht ausgenommen. Denn Paulus weiss, dass die Gemeinde in Korinth Jesus als Fundament ihres Glaubens und ihrer Hoffnung angenommen hat. Aber der Glaube muss gelebt, gefördert und gefordert werden. Dazu ist der gegenseitige Dienst von Mitarbeitern nötig.
Die Frage hier ist: Wer baut richtig? Was hält die Stürme der Anfechtung, der Widerstandes oder auch der Anpassung aus?
Drei Feststellungen (diese gelten nachfolgend generell für jeden christlichen Organismus, haben also Gültigkeit für das Leben einer Gemeinde wie auch das individuelle Leben jedes Christen):
Zum Ersten:

Eines scheint klar: Wo neben dem Fundament Jesus Christus gebaut wird, da leidet eine Gemeinde oder das christliche Leben überhaupt, da geht früher oder später das Feuer des Glaubens verloren. Warum? Weil einer solchen Organismus der richtige Treibstoff fehlt. Und der Glaubensmotor gerät ins Stottern. Wie fatal ist es doch, bei einem Dieselfahrzeug Benzin zu tanken und loszufahren. Wenn dieser Irrtum nicht bald bemerkt wird, droht ein teurer Austausch des gesamten Einspritzsystems inklusive Hochdruckpumpe, Injektoren, Kraftstoffleitungen und des Tanks. Es ist also peinlichst genau auf den richtigen
Kraftstoff zu achten.
Zum Zweiten:
Wo zwar das geistliche Leben auf Christus als Fundament orientiert ist, dieses jedoch durch andere Lehren oder Relativierungen abgeschwächt wird, verliert dieses Leben an Glaubwürdigkeit und Stosskraft. Mit einem Bein in Christus verwurzelt sein und nebenbei noch andere Lehren praktizieren, die der Bibel widersprechen – das funktioniert letztlich auf Dauer nicht. Das bringt unser Leben aus dem Gleichgewicht.
„Ein bisschen Christus ist ja schon o.K., aber man muss es ja nicht gleich übertreiben“, ist eine Aussage, die ich manchmal zu hören bekomme.
Leider krankt die kirchliche Landschaft in unseren Breitengraden daran, dass man zwar christlich, dies aber keinesfalls zu extrem sein möchte, um die Leute nicht abzustossen. Aber dadurch geht ganz viel Kraft und Glaubwürdigkeit verloren, die unsere Gesellschaft so nötig hätte.
Zum Dritten:
Und da kommen wir wieder ganz nahe an den heutigen Predigttext von Apollos und den anderen Mitarbeitern. Die damaligen Leute haben zwar Christus vertraut, aber plötzlich wurde bei einigen die Person des Apollos, bei anderen die des Petrus und bei dritten Paulus noch zentraler. Sie waren zwar auf das Fundament ausgerichtet, aber da wurde der lehrmässige Überbau der genannten Personen plötzlich noch etwas wichtiger. Und das führte zu Missverständnissen und Streitereien.


Liebe Gemeinde
Das ist eine grosse Versuchung. Auch für uns als Gemeinden und Nachfolger, die ganz bewusst ihr Leben auf dem Fundament von Jesus Christus aufbauen wollen.
Es sind die Dinge, die daneben plötzlich „doch auch noch so wichtig werden“.
Und plötzlich stehen diese Dinge in Gefahr, dass sie fast so wichtig – oder manchmal unbewusst in der Praxis noch wichtiger – werden wie Christus.
Dies kann sich in Aussagen wie den nachfolgenden äussern: „Wenn man mehr diese
bestimmte Lehre vertreten würde, dann wäre in unseren Gemeinden mehr Frucht sichtbar.“
„Wenn man auf diese und jene Weise das Gebet praktizieren würde, die ich erkannt habe, dann wäre mehr geistliches Leben die Folge“...


Versteht mich nicht falsch. Es geht mir nicht darum, Kritik auszuschalten oder alles über den gleichen Leisten zu schlagen. Vielfalt und Unterschiedlichkeit ist sehr wertvoll und ist ein Geschenk. Ein Geschenk, das jedoch im Alltag sowie im praktischen Umgang miteinander immer wieder auch eine Herausforderung darstellt.
Der Leib Christi ist heute wie zu allen Zeiten herausgefordert durch den Zeitgeist.
Heute heisst es vielerorts: „Die Hauptsache es stimmt für mich“ oder „was bringt es mir“.
Diese Tendenz beobachte ich auch in heutigen christlichen Leben. Die Gemeinde muss mir bieten, wie ich es will. Sonst gehe ich doch einfach dorthin, wo dies mir geboten wird. Die Musik, die Form des Gottesdienstes, die Art des Worships, die Liturgie...
Und diese Formfragen können plötzlich auch zu einer Art Überbau werden, die viel Raum einnimmt.
Natürlich ist Musik wichtig, natürlich habe auch ich persönlich meine Vorlieben. Aber trotz allen Vorlieben – sind wir uns doch in allem immer wieder bewusst, dass es doch um weit mehr geht. Es geht nicht primär um den Überbau, sondern in allem zuerst um den Unterbau.
Darauf soll in aller Unterschiedlichkeit und Vielfalt zuerst unser Blick gerichtet sein.
Christsein heisst, im Fundament Christi verwurzelt zu sein. Das ist nichts Statisches, sondern etwas, das mich immer in Bewegung setzt hin zu Gott und hin zum Nächsten.
Es ist letztlich nicht die Musik, die Form oder etwas anderes, was mir Frieden und
Befriedigung in meinem Glaubensleben verschafft, sondern wenn ich den Auftrag lebe, zu dem mich Christus beauftragt hat.
Was ist unser Auftrag? Da finden wir ganz vieles in der Bibel: Den anderen höher achten und nicht mich an die erste Stelle setzen, Vergebung leben, Diener sein in meinem Umfeld, so wie Christus es uns vorgelebt hat, hinaus in die Welt zu gehen und anderen Menschen die Hoffnung von Christus zu bringen. Das alles sind Dinge, die unser geistliches Leben in Schwung bringen und letztlich Wachstum und tiefe Befriedigung verschaffen. Aber – und das ist genau so eine Tatsache – dieser Auftrag ist im Alltag hart umkämpft, weil ich selber so beschäftigt bin. Weil ich doch selber geprägt bin von vielen Dingen, die so anders gelagert
auf mich einprasseln. Die Angst, dass ich in allem selber zu kurz kommen könnte.
Ja, ganz aus dem Fundament von Christus her das eigene Leben zu gestalten, ist eine Herausforderung. Aber Fundament und Auftrag lassen sich nicht voneinander trennen. Denn es gibt letztlich kein statisches Einbahn-Christentum, das nur mich beschenkt. Ich bekomme und bin berufen das weiterzugeben, womit ich selber gesegnet worden bin – und zwar auch dann, wenn ich selber noch nicht perfekt bin und bis in alle Details alles verstanden habe.
Liebe Gemeinde, in der Geschichte Christi ist es immer wieder darum gegangen, sich als Kirche zu positionieren, sich zu verändern und sich zurückzubesinnen auf den Boden des Evangeliums. Diese Neupositionierung vor 500 Jahre durch Martin Luther initiiert ist ganz eindrücklich sichtbar geworden. Aber es geht in unseren Leben tagtäglich darum, dass ich mich selber neu auf Christus besinne. Und zwar nicht nur alle 500 Jahre, sondern jeden Morgen neu, wenn ich aufstehe und einen neuen Tag beginne.
Ich kann es tun mit den Worten: „Guten Morgen, Jesus. Bevor ich diesen neuen Tag in Angriff nehme, entscheide ich mich ganz bewusst dafür, mein Leben auf dich zu gründen. Du sollst das Fundament für mein Denken und Handeln sein. Lass mich erkennen, auf was es im Leben mit dir wirklich draufankommt. Ich möchte mit dir an diesem Tag unterwegs sein.
Brauche mich. Befähige mich für deinen Auftrag und schenke mir im Alltag offene Augen für meine Mitmenschen und für das, was du an ihnen durch mich tun möchtest.“
Es ist ein „gefährliches“ Gebet, weil Gott es erhören wird. Aber ein Gebet und eine
Entscheidung, die dein geistliches Leben in Schwung setzt. Und darauf kommt es doch letztlich an. Amen

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